Leipziger Buchmesse 2019

Themen: Buchmesse, LBM, Leipzig, Selfpublishing, Start ins Autorendasein, Kontakte knüpfen, Verlagswesen im deutschen Sprachraum

Aus meinem Rückblick zur Buchmesse ist lustigerweise ein Rückblick meiner bisherigen Autorenlaufbahn geworden. Wer sich bloß die Bilder ansehen möchte, sei frei, ganz runter zu scrollen.

 

Nach den letzten drei Tagen kann ich mit Selbstsicherheit sagen: Das war für mich die bisher schönste Buchmesse, die ich bisher besuchen durfte. Nach insgesamt vier Buchmessen in Leipzig und Frankfurt fühlt es sich endlich so an, wie ich mich wohlfühle – wie heimkommen. Bekannte Gesichter wieder zu sehen, aber auch den Luxus von Zeit zu haben, ins Gespräch zu kommen, über Privates als auch Schreiben, Lesen und Veröffentlichen sprechen zu können, die vergangenen Jahre revue passieren zu lassen und sich einfach mal fallen lassen.

Dieser „Wohlfühlfaktor“ war nicht immer aktuell. Auch wenn ich mich immer gut von allen aufgenommen gefühlt habe, war für mich mein erster Messebesuch überwältigend – nicht nur im positiven Sinne. Wer noch nicht so viele Leute kennt, muss erst Kontakte knüpfen. Manchen mag das besser gelingen, aber allen anderen sage ich: Das braucht Zeit.

 

Droemer Knaur / Knaur Fantasy & Science Fiction: Nächstes Jahr findet ihr hier „Das Schwert der Totengöttin! Kommt es besuchen 😀 (Halle 2)

 

Mein Weg vom Selfpublishing in den Verlag – der Weg zur ersten Messe

Meine ersten Messe waren meist vor allem eines: stressig. Denn für mich war damals alles neu.

Als ich 2014 mit dem „Herz im Glas“ Selfpublishing begann, hatte ich kaum Einblick in die Verlagslandschaften. Klar, die großen Namen kennt man – jene, die dir in den Buchhandlung begegnen. Ich habe auch ziemlich unbedarft Manuskripte an selbige gesendet, wie es vermutlich Tausende ebenfalls tun.

Beim „Herz im Glas“ hatte ich eigentlich die Hoffnung so ziemlich verloren, dass mich jemals ein Verlag veröffentlichen würden. Ich habe daher keine Exposées ausgeschickt, von den bisherigen Rückmeldungen ernüchtert. Eine dieser Rückmeldungen zu meinem Jugendroman „Wüstenstürmer“ (motorradfahrende Jugendliche in der atomar verseuchten Wüste Vespers) kam satte zweieinhalb Jahre, nachdem ich sie ausgeschickt hatte! Trotzdem war ich dankbar dafür. Von dreißig ausgeschickten Exposées bekam ich nur zwei Rückmeldungen.

Nun gut, mir war klar: Mit dem „Herz im Glas“ geh ich ins Selfpublishing. Den Weg dazu geebnet hat mir lustigerweise mein Vater, der mir einen Artikel über Amazon Selfpublishing aus „Der Standard“ in die Hand gedrück hat. Zu dem Zeitpunkt hat er wohl mehr an mich geglaubt als ich an mich selbst. Ich suchte mir einen Lektor, bastelte mein Cover zusammen (das Herz im Glas fotografierte ich sogar ab) und auf ging’s. Erste Rezension nach zwei Tagen: 1 Stern. „Sowas Konfuses hab ich noch nie gelesen.“ Ich glaube, ich brauche nicht zu betonen, wie schlimm das für mich war. Gott sei Dank folgten zahlreiche begeisterte Rückmeldungen und bis heute werde ich nach Band 2 gefragt.

 

Selfpublishing als erster Weg: Alles hat Vor- und Nachteile

Zunächst dachte ich, Selfpublishing wäre der einzige Weg, der mir bliebe. Und tatsächlich hat es ja durchaus auch Vorteile: Man kann nach seinem eigenen Rhythmus arbeiten, knappere Zeitabstände einhalten, selbst Entscheidungen zu Cover, Vermarktung und co wählen. Selbst ist die Frau. Aber genau das ist auch der große Nachteil: Alles ist selbst zu machen. Du erfährst keinerlei Unterstützung, es sei denn, du holst sie dir um viel Geld und es ist niemals sicher, dass du die Ausgaben für Cover, Lektorat, Korrektorat, Werbung, Werbeartikel, Rezensionbücher & Co. jemals wieder rein bekommst. Und für alle, die damit nicht so viel zu tun haben: Wir sprechen hier von Zahlen, die sich meist im dreistelligen Bereich befindet. Hier erwischten mich auch die Tücken der Fortsetzungen: Wer nicht rasch genug liefern kann, dem springen LeserInnen ab. Und wem die LeserInnen abspringen, verdient noch weniger. Und wer weniger verdient, kriegt die Ausgaben nicht rein.

Schön und gut: Es war frustrierend, so auf alleiniger Front. Manche sind da wahrhafte Arbeitstiere, Multitalente an jeder Front, Spitzenreiter der Selbstorganisation; immer am Zahn der Zeit und ausgezeichnet vernetzt.Aber das bin nicht ich. Ich will schreiben. Wenn ich Freude daran habe, bestücke ich meine Social Media Kanäle (hauptsächlich Facebook und Instagram) und freue mich über den Austausch mit Interessierten. Aber ich sehe mich doch primär als Schreibende und nicht als Influencer, der an alleiniger Front darum kämpft, gesehen und gelesen zu werden. Noch dazu kannte ich bisher nur wenige AutorInnen und BloggerInnen über das Internet, da sich die Verlagslandschaft mit ihren Messen doch weitgehend in Deutschland bewegt. (Ich bin Österreicherin, falls du das nicht wusstest.)

 

Durch Empfehlung zu meinem ersten Verlag: unter dem Drachenmond

Zu diesem Zeitpunkt motivierte mich eine Freundin und Bloggerin, mich beim Drachenmond-Verlag zu bewerben (ja, Anja, du bist gemeint!). Sie kannte die Verlegerin via der Blogger-Szene. Als ich anschrieb, ob sie denn vielleicht Interesse an einem Buch habe, kannte sie meinen Namen bereits von Anja – es ist wundervoll, wenn Menschen so sehr an dich und deine Texte glauben, dass sie sie empfehlen.

Und nicht nur Bücherliebe-Bloggerin Anja glaubte an mich – auch Verlegerin Astrid Behrendt. Manche AutorInnen sehen es selbstverständlich an, dass jemand das Risiko eingeht, ihr Buch zu verlegen. Aber gerade als Jungautor bleibt es das: Ein großes Risiko. Umso großartiger ist es natürlich, wenn jemand in deinem Text so viel Potenzial sieht,  dass er/sie dir Cover, Lektorat, Korrektorat und Satz vorschießt, weil er davon überzeugt ist, dass es wieder rein kommt. Weil er an dein Buch glaubt. Weil er an dich glaubt.

Ich will nicht lügen – die Umstellung von „vollkommen freien“ und manchmal überforderndem Selfpublishing war anfangs ziemlich arg für mich. Weil plötzlich nicht mehr alle Fäden bei dir liegen. Du nicht länger alle Strippen selbst ziehen kannst. Mittlerweile will ich das aber auch nicht mehr. Ich vertraue meinen Verlagen und ihren MitarbeiterInnen. Ich möchte gute Bücher schreiben. Ich gebe ihnen das Beste von mir, was möglich ist. Und dann freue ich mich auf den Zauber, den sie hinzustreuen.

 

Komm zum Punkt, Kathi: Was war jetzt mit der ersten Buchmesse?

Damals hatte ich auch nicht länger eine Ausrede, NICHT auf die Buchmesse fahren zu müssen. Weil, ich geb’s zu: Ich bin ein bisschen ein sozialer Schisser. Manchmal kann ich es ganz gut überspielen; aber ich fühle mich in neuen Situationen meist unwohl. Aber da muss man manchmal durch. Nicht nur unsere Buchheldinnen haben ihre inneren Dämonen zu bekämpfen! Ich buchte also ein Flugticket – und stand dann da, kannte bisher nur wenige Drachen, Astrid, meine Lektorin Alex, Marlena vom Buchsatz … Na gut, ich hoffe, ich bin denen nicht auf die Nerven gegangen. Nach und nach habe ich die anderen kennengelernt, aber wie das so ist auf der Buchmesse: es ist total viel zu tun und man kann nicht mit allen gleich viel sprechen. Trotzdem knüpfte ich hier meine ersten Kontakte mit anderen AutorInnen.

Gib‘ dir Zeit: Nicht alles kommt auf einmal

Dieses Kennenlernen in Frankfurt und Leipzig hat sich mit den letzten beiden Jahren intensiviert. Der Stress, sogleich alles und jeden kennen und erkennen zu müssen, ist gewichen. Die Angst, dass es einem übel nehmen könnte, weil man sein Buch nicht kennt, oder das Gesicht eines/r BloggerIn. Natürlich tut es mir leid, wenn ich euch nicht gleich erkenne. Aber dafür hab ich es dann zur nächsten Messe draußen! Und an BloggerInnen hätte ich dann auch noch unten eine Bitte 😛 – ich weiß nicht, ob irgendwer bis ganzen unten liest, aber da steht sie!

Empfehlungen sind die beste Werbung für AutorInnen

Ich werde öfter gefragt, wie ich mit meinem Black-Alchemy-Projekt zu Knaur kam. Dark-High-Fantasy ist ja irgendwie eigen, es passt nicht zu vielen Verlagen, bzw. die meisten nehmen es gar nicht. (Von Agenturen wurde ich übrigens abgelehnt.) Ich darf euch verraten: Ich wurde empfohlen. Ja, wie mit meinem ersten Buch. Und das finde ich eigentlich den schönsten Weg. Ich durfte Exposee und Leseprobe einsenden, und meine Zombies haben meine Redakteurin wohl an den Haaren hinter sich her geschleift, denn sie ist bis heute überzeugt von dem Projekt! Ich bin nicht nur dankbar für die Chance, dieses düstere, erwachsene – und manchmal auch humorvolle – Buch in einem Verlag rausbringen zu dürfen, von dem ich überzeugt habe, dass er genau richtige für diesen Stoff ist. Und besonders gefreut habe ich mich, auf der Buchmesse nicht nur den Stand bewundern und mir vorstellen zu dürfen, wie ich dort bald hänge, sondern auch meine wirklich ausgezeichnete und liebenswerte Betreuerin Jennifer Jäger kennenzulernen. Wer einen (momentan) blauen Haarschopf in der Masse vorbei laufen hat sehen – entweder war’s ein Cosplayer oder Jennie. Danke für das Willkommen-heißen!

Drachenmond-Crew am Drachenmond-Verlagsstand Halle 3. Danke an alle, die mich besucht haben! Bild von Anna Jane Greenville (Coal Minor)

LBM 2019 – neue Bekanntschaften:

Als ich diesmal nach Leipzig kam, erfüllte mich eine ganz besondere Art Freude, fast schon eine Seligkeit. Weil ich merke, dass aus oberflächlichen Bekanntschaften Freundschaften erwachsen sind, selbst wenn wir uns die meiste Zeit des Jahres nur onlien treffen können. Und das ist noch nicht das Ende. Auch diese Messe durfte ich wahnsinnig nette, herzliche Menschen kennenlernen. An diesem Punkt möchte ich einige Namen nennen – Ani von „Tiefseezeilen„, die mir damals einen wundervollen Beitrag zu Blue Scales gemacht hat, der mir sehr wichtig war. Stef und Simi von bookiedreams.blog – ich freue mich schon sehr auf unsere Zusammenarbeit bei der VÖ von“Das Schwert der Totengöttin“! Außerdem durfte ich Katrin Solberg kennenlernen, die im Drachenmond die „Buffy“-Ableger Übersetzung sowie an einem eigenen Projekt schreibt. Danke für die guten Gespräche mit dir und Christian (und die Lesung! Haha! 😀 ). Eine besondere Freude war es mir auch, endlich ein bisschen mit Nicole Gozdek ins Plaudern zu kommen. Unsere neue deutsche Fantasy-Stimme, wie sie vom Börsenblatt genannt wird, bringt im Juni ihr neues Buch von Piper raus, „Prophezeiungen für Jedermann“.  Auch mit den „neuen“ Drachen Anne Jane Greenville, C. I. Harriot, Elke Aybar und Rune L. Green ließ es sich beim Abendessen wunderbar plauschen. Danke auch an Katja, die in der letzten Stunde noch extra durch die Massen zum Stand geeilt ist, um mich zu sehen! (Mit Katja war ich bei der ersten Messe im Hostel – und ja, wir haben noch immer Kontakt! Ist das nicht schön?)

Mein Wunsch für die FBM 2019 und LBM 2020:

Ich bin schon sehr gespannt auf die nächste Buchmesse und was sie für mich bereithalten wird.

Einen besonderen Wunsch hätte ich auch an alle fotoscheuen AutorInnen und BloggerInnen: Zeigt eure Gesichter! Macht euch nicht scheu! Präsentiert ab und an ein Foto von euch – mit Buch oder wie ihr ein paar Worte teilt! Es fällt um SO VIELES leichter, all die lieben Menschen hinter den wunderbaren Büchern, Buchfotos und interessanten Rezensionen und Beiträgen zuzuordnen, wenn ich schon ein paar Mal ihr Gesicht gesehen habe. Und ich WILL das. Ich will euch erkennen und zuordnen können! Ich will wissen, wer sich diese Arbeit macht! Und ich möchte euch kennenlernen und mit euch plaudern!

Danke an alle Beteiligten für eine wunderbare Messe und die reichhaltigen Erfahrungen, die ich mit nach Hause nehmen durfte. Adieu und bis zum nächsten Mal – diesmal auch mit Buch!

Kategorie: Allgemein, Buchmesse, Selfpublishing, Veranstaltungen, Verlag

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